Wieso? Weshalb? Warum? Heute: Atemschutz

Nachdem in der Berichterstattung in den Medien zu lesen war, dass es bei uns während der diesjährigen Eiderdammübung ein Problem mit der „Sauerstoffversorgung unserer Atemgeräte-Träger“ gegeben habe, wollen wir an dieser Stelle etwas Aufklärungsarbeit zum Thema Atemschutz betreiben.

Gleich vorweg: unseren Einsatzkräften ist die Luft nicht ausgegangen. Das Problem war vielmehr ein zu niedriger Sauerstoffgehalt in der Atemluft am Boden der Sielkammer. Damit wurde eine zügige Evakuierung und anschließende ärztliche Behandlung der Opferdarsteller nötig. Es geht allen Beteiligten (wieder) gut.

Während unserer Einsätze gibt es – was die Atemluft angeht – im Grund drei mögliche Szenarien:

  1. Wir sind uns absolut sicher, dass die Luft an der Einsatzstelle ohne Gefahr eingeatmet werden kann.
  2. Wir sehen Rauch und wissen, dass dieser (möglicherweise) giftig ist – etwa bei einem Feuer.
  3. Wir sehen keinen Rauch – können aber z.B. auf Grund der Lage des Einsatzortes (Biogasanlagen, Schächte etc.) nicht davon ausgehen, dass die Luftverhältnisse mit absoluter Sicherheit ungefährlich sind.

In den letzten beiden Fällen gehen wir – wie auch in der trocken gelegten Sielkammer des Eidersperrwerks –  grundsätzlich unter Atemschutz vor. Zusätzlich wird je nach Lage auch ein Warngerät mitgeführt, welches unter Anderem bei einem zu geringen Anteil von Sauerstoff in der Atemluft einen Alarm auslöst.

Die Atemschutz-Ausrüstung der Einsatzkräfte ist dabei ein von den äußeren Luftverhältnissen unabhängiges System (ein sogenanntes „Isoliergerät“) – deswegen wird der Luftvorrat auch in Pressluftflaschen mitgeführt. Unsere Standardflaschen sind mit Luft unter einem Druck von 300 bar gefüllt. Das reicht für etwa 30 Minuten Einsatzzeit.

Anders als oft angenommen, enthalten die Flaschen ganz normale Atemluft und keinen reinen Sauerstoff (anders als z.B. im Rettungswagen). Reiner Sauerstoff wäre in Verbindung mit Feuer oder bestimmten Gefahrgütern  sogar extrem gefährlich.

Wird der Einsatz unter Atemschutz nötig, greift sich nun nicht „irgendwer“ eine Maske und eine Flasche. Atemschutzgeräteträger durchlaufen eine umfangreiche Spezial-Grundausbildung. Zudem müssen sie jährlich vorgeschriebene Übungen absolvieren und regelmäßig ihre Tauglichkeit mittels einer Arbeitsschutzuntersuchung (G26.3) nachweisen. So wird weitgehend sicher gestellt, dass die betroffenen Personen in der Lage sind, diese körperlich extrem fordernde Tätigkeit auszuüben.

Immer wenn Atemschutzgeräte zum Einsatz kommen, wird die sogenannte Atemschutzüberwachung eingerichtet, die als eine Art Sicherheitsnetz fungiert. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Übung oder einen realen Einsatz handelt.

Beim Anlegen der Schutzausrüstung werden diverse Prüfungen der einzelnen Teile durchgeführt: Sitzt die Maske dicht? Sind Flammschutzhaube und Handschuhe korrekt angelegt? Ist die Einsatzschutzkleidung vollständig geschlossen? Arbeitet die Atemschutztechnik korrekt? Dies erfolgt übrigens zusätzlich zu den vorgeschriebenen regelmäßigen technischen Prüfungen.

Danach muss sich jeder Geräteträger bei der Atemschutzüberwachung registrieren lassen. Außerdem wird zu Beginn der Druck der unbenutzten Pressluftflasche erfasst.

Sobald die Flasche an die Maske angeschlossen ist, läuft die Einsatzzeit. Während des Einsatzes (oder der Übung) fragt die Überwachung regelmäßig den Restdruck in der Flasche ab.  Ein ungewöhnlich hoher Luftverbrauch fällt hier also frühzeitig auf. Zusätzlich werden die Standorte und Aufträge der Atemschutztrupps fortlaufend registriert. Dies geschieht bei uns unter Einsatz einer speziellen Software auf einem leistungsfähigen Tablet-Computer. Auf diese Weise behalten Gruppenführung und Einsatzleitung immer den bestmöglichen Überblick. Durch die regelmäßige Ansprache der Trupps können auch eventuelle Notlagen frühzeitig „von außen“ erkannt und entsprechende Maßnahmen rechtzeitig getroffen werden.  Am Ende des Einsatzes melden sich die Geräteträger wieder bei der Atemschutzüberwachung zurück. Zu diesem Zeitpunkt werden abschließend der Restdruck in den Pressluftflaschen und diverse andere Daten erfasst.

Festzuhalten bleibt:

Der Einsatz unter Atemschutz ist eine sehr fordernde und mit Risiken verbundene Tätigkeit. Aber bei uns wird im Team gearbeitet – und das Team sorgt als ganzes dafür, dass Risiken minimiert und Einsätze erfolgreich abgearbeitet werden.

Wer mehr über Atemschutz erfahren möchte, kann uns gern auf dem nächsten Dienstabend besuchen. Beitrittsformular und Einsatzkleidung liegen bereit 😉